Pelz tötet

Media

Wir demonstrierten gegen Pelz und informierten über Kennzeichnungspflicht und Täuschung der Pelzbranche.

„Man trägt wieder Pelz – Rückkehr einer Mode, die auf Tiere und Umwelt keine Rücksicht nimmt“ war das Cover des Greenpeace Magazins 2/14. Grund genug, dass wir nach 2015 erneut gegen Pelz demonstrierten. Auch weil wir bei unserer Recherche in Deggendorf Kleidungsstücke mit Echtpelz fanden, die falsch deklariert waren.

Es ist schon viele Jahre her. Als Kampagnen wie „Lieber nackt als Pelz“ Aufsehen erregten. Als Pelz geächtet wurde. Als die Umsätze der Pelzbranche einbrachen. Nun sind die Zeiten der Moral vorbei, Pelz kam im Massenmarkt an. Pelz schmückt Stiefel, Taschen, Jacken, vor allem Mützen und Kapuzen. Das schlechte Gewissen, einst erfolgreich verbreitet, es ging unter in einem Rausch aus Bommeln und Plüsch. Mittlerweile machen Pelzbesätze mehr als die Hälfte des Marktes aus.

Am Leid der Tiere hat sich nichts geändert. Nach wie vor bedeutet für Millionen Pelztiere der Fang in Fallen einen qualvollen Tod. Und nach wie vor vegetieren Pelztiere auf Farmen in verdreckten Gitterboxen. Krank, verletzt, verhaltensgestört.

In der EU gibt es insgesamt 7200 dieser Farmen, vor allem Finnland und Dänemark sind gut im Geschäft. In Deutschland schlossen Betriebe wegen vorgeschriebener besserer Haltungsvorschriften, derzeit sind es noch neun Farmen für Nerze. In Österreich wurde die Pelztierzucht 1998 verboten, Großbritannien und Slowenien zogen nach. Anders in Polen, dem neuen Mekka der Pelzindustrie. Die Haltung der Tiere ist dort katastrophal.
Die meisten großen Farmen aber wurden erst in den letzten zehn Jahren im kalten Norden Chinas aus dem Boden gestampft. Für 70 Millionen Nerze, Füchse und Marderhunde die leibhaftige Hölle, sie schützt kein Gesetz, kein Halter wird für sein tierschutzwidriges Verhalten belangt. Auch nicht, wenn Marderhunde mit Metallknüppeln erschlagen und bei lebendem Leib gehäutet werden. Grausamkeiten jenseits aller Vorstellungskraft. Doch auf diese Weise schafft es China, billiger zu sein als alle anderen Länder.

Jahr für Jahr werden weltweit mehr als 100 Millionen Pelztiere umgebracht. Das ist das eine. Selten erwähnt wird der Einsatz hochgiftiger Stoffe in alarmierender Konzentration. Beim Gerben, Konservieren und Färben. Auch wird zur Gesamtproduktion eines Echtpelzes rund die sechsfache Energiemenge benötigt wie zur Herstellung eines Kunstpelzes. Von dem umweltfreundlichen „Naturprodukt Pelz“, wie gerne behauptet wird, kann also keine Rede sein.

Irreführung bei der Kennzeichnung

Seit 2011 gilt für Pelzbesätze die EU-Textilkennzeichnungsverordnung mit dem Hinweis „Enthält nicht textile Teile tierischen Ursprungs“. Das kann neben Pelz aber auch eine Daunenfüllung oder ein Lederriemen sein. Bei Schuhen fällt die Kennzeichnungspflicht einfach weg, wenn der Pelzbestandsteil von 20 Prozent des Obermaterials nicht erreicht wird, und für Accessoires gilt die Verordnung ohnehin nicht. Im Februar 2016 ist nun das nationale Textilkennzeichnungsgesetz in Kraft getreten, das eine erhöhte Marktüberwachung vorsieht. Die verwirrende Kennzeichnung bleibt. Der eigentliche Skandal aber ist: Es wird getrickst, falsch oder gar nicht deklariert. Das beweisen zahlreiche Untersuchungen und Stichproben seit Jahren. Somit wissen viele Menschen oft gar nicht, dass ihr vermeintlicher Kunstpelz tatsächlich Echtpelz ist.

Vor allem umgehen viele Hersteller die Angabe „Marderhund“, erinnert uns sein Name (engl. Racoon Dog) doch zu sehr an unseren Haushund. So finden sich bevorzugt der Name des Waschbärs (Racoon) oder Fantasiebezeichnungen wie Finnracoon oder asiatischer Seefuchs auf dem Etikett. Wenn überhaupt. Denn nicht nur bei Wöhrl fand man Mützen mit Marderhundbommel als 100 % Acryl gekennzeichnet. Selbst Marc Jacobs verkaufte falsch deklarierte Designermode aus Marderhundpelz. Marderhund ist die am häufigsten verwendete Tierart für Fellverbrämungen.

Besonders groß war der Aufschrei, als Animals Liberty Katzenfelle auf Mützen nachwies. Denn so traurig es ist: Auch wenn die Einfuhr von Katzen- und Hundefellen in die EU seit 2009 verboten ist, gelangt Bekleidung mit diesen Fellen nach wie vor in den Handel. Als Kaninchenfell oder mit irreführenden Fantasienamen gekennzeichnet oder gar nicht deklariert. Mehr als zwei Millionen Katzen und Hunderttausende Hunde werden für die Pelzgewinnung in ostasiatischen Ländern auf bestialische Art und Weise umgebracht.

Viele Unternehmen verzichten auf Pelz

Der Lichtblick: Laut einer repräsentativen Umfrage lehnen 80 Prozent der Deutschen Pelz ab. Und: Pelzfreie Mode gibt es genug, das beweisen bislang 83 Labels wie Benetton, Esprit, H&M, Jack Wolfskin, Marc O’Polo, S. Oliver, Zara oder auch Deichmann und die Otto Group. Sie erklären schriftlich in dem internationalen „Fur Free Retailer Program“ auf Pelzmode zu verzichten. Darunter auch internationale Designer wie Calvin Klein, Harald Glööckner, Hugo Boss oder Tommy Hilfiger. Selbst Armani stieg unlängst aus dem Pelzgeschäft aus, und bei Guido Maria Kretschmer geht Echtpelz gar nicht. Fendi, Burberry, Bogner oder Karl Lagerfeld sehen sich nicht in dieser gesellschaftlichen Verantwortung, auch Promis wie Jennifer Lopez, Verona Pooth, Britney Spears, Sharon Stone, Lady Gaga, Kate Moss oder Heidi Klum protzen gern im opulenten Pelz.

Das Fazit: Pelz ist unnötig und durch nichts zu rechtfertigen. Das gilt auch für den Pelzbesatz. Jeder, der mit Pelz handelt, der Pelz kauft oder trägt, macht sich mitschuldig am millionenfachen Leid dieser Tiere. Nachdem nicht nur Tier- und Umweltschützer, sondern auch Medien regelmäßig über dieses Thema berichten, kann niemand sagen: „Ich habe es nicht gewusst.“ Eigentlich.