Mia ham’s satt!

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Für unsere Natur. Für unsere Umwelt. Für unsere Tiere.

Es ist eine Woche vor der Landtagswahl. In unserem schönen Bayern, der „Vorstufe zum Paradies“. Wo die Verbundenheit mit dem Land groß ist. Wo der Begriff Heimat wieder salonfähig gemacht wurde. Wollte man so manchem Politiker Glauben schenken, scheint hier alles in Ordnung zu sein. Tatsächlich? Das Bündnis „Mia ham’s satt“ sieht das anders und rief mit 80 weiteren Organisationen aus Natur-, Umwelt- und Tierschutz zum Protest auf. Denn: Tatsächlich verschwindet unsere schöne Landschaft mit ihrer Artenvielfalt unter Beton. Tatsächlich verlieren Bäuerinnen und Bauern ihre Existenzgrundlage. Mit einer Agrarpolitik, die weiter auf Intensivierung und Billigprodukte setzt. Tatsächlich sterben unsere Bienen, verschwinden Insekten, unsere Vögel. Tatsächlich wird unsere Luft mit Autoabgasen verpestet, Zehntausenden Münchnern droht ein Fahrverbot für Dieselautos.

18.000 Bürgerinnen und Bürger sorgen an diesem Samstag dafür, dass im Wahlkampf auch diese Themen hör- und sichtbar werden. Gemeinsam mit Greenpeace München, Passau, Moosburg, Weilheim, Kempten, Stuttgart und uns Deggendorfern.

Leere Versprechen

Es geht auch um Versprechen. Da ist die Sache mit Glyphosat. Noch bei der Demo „Wir haben es satt“ in Passau im Januar versprach der damalige designierte Ministerpräsidenten Markus Söder vollmundig den schnellen Ausstieg von Glyphosat im Freistaat. Nun erklärt Staatskanzleichef Dr. Florian Herrmann, dass man nur mittelfristig praxistaugliche Alternativen finden wolle. Da ist auch die Sache mit dem Tierschutz. Dass unsere Politik selbst bei minimalen Zielen versagt, zeigen die nicht nur viel zu geringen und laschen Kontrollen in Tierhaltungsbetrieben. Auch die betäubungslose Kastration von Ferkeln wird für weitere zwei Jahre nach hinten verschoben. Dabei sollte 2019 damit Schluss sein. Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber zeigt sich erleichtert: „Das ist ein guter Tag für unsere Schweinehalter.“ Versprechen gibt es auch beim Kükenschreddern. Vor vier Jahren erstmals – und danach regelmäßig wieder. 2017 sollte damit endgültig Schluss sein. 2017! Seit der ersten Ankündigung vom damaligen Minister Christian Schmidt sind geschätzt 200 Millionen Küken zu Mus verarbeitet worden. Nun soll die Barbarei 2019 ein Ende haben. Sagt Nachfolgerin Julia Klöckner (CDU).

Ein guter Tag

All dies kommt neben „Straßenbauorgien“ oder dem „Startbahn-Größenwahn“ bei der Auftaktkundgebung am Königsplatz zur Sprache. Scharf kritisiert wird Verkehrsminister Andreas Scheuer, der – da sind sich alle einig –  die Autoindustrie hofiere, auch sei der unlängst beschlossene Deal für Halter von Dieselfahrzeugen ein fauler Kompromiss.

Und dennoch: Es ist ein guter Tag. Weil auffallend viele Eltern mit ihren Kindern hier sind. Weil ein buntes Meer aus Fahnen und Transparenten zu sehen ist. Weil die Ablehnung der dritten Startbahn mit einem riesigen Banner sichtbar ist oder die Solidarität mit Umweltschützern am Hambacher Forst. Und vor allem – weil wir Viele sind.

Der Demonstrationszug schließlich bewegt sich durch die Münchner Innenstadt und wieder zurück. Lautstark. Mit Trommeln und Trillerpfeifen. Und immer wieder skandieren alle: „Mia ham’s satt!“ Die Demo ist friedlich. Klar!

Die Abschlusskundgebung, bei der durchaus ernste Töne angeschlagen werden, gleicht dann eher einem Happening. Dafür sorgen das sonnige Wetter und Musiker wie Hans Well mit den Wellbappn, dicht&ergreifend oder Schmidbauer&Kälberer. Eine Demo soll schließlich auch Spaß machen. Und als verkündet wird, dass am Hambacher Forst zur selben Zeit 50.000 Menschen ihren Etappensieg feiern, dort, wo mit brutaler Konsequenz gegen Demonstranten vorgegangen, letztendlich aber die NRW-Landesregierung blamiert und RWE ausgebremst wurde, gibt es tosenden Applaus.