Kein Freitag wie jeder andere.

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Millionen Menschen weltweit stellen unsere Erde in den Mittelpunkt und demonstrieren für mehr Klimaschutz. Rekordbeteiligung in Deggendorf.

Es ist der dritte globale Klimastreik, zu dem Fridays for Future aufgerufen hat. Auf allen Kontinenten, in mehr als 150 Staaten, in 2600 internationalen und 575 deutschen Städten. Auch wenn wir uns an Fridays for Future mit demonstrierenden Jugendliche langsam gewöhnt haben – dieser Freitag ist anders. Scharenweise treibt es Menschen auf die Straße, mehr als je zuvor. Es kommen nicht nur die großen Umweltverbände wie Greenpeace. Nicht nur Parents for Future. Es kommen zahlreiche weitere Bündnisse und ALLE Generationen. 1556 Unternehmen – von der kleinen Bäckerei, bis hin zur großen Versicherungsgruppe oder Fußballvereinen wie Mainz 05. Selbst Kirchen machen mit Glockengeläut auf die Klimaaktionen aufmerksam.

So bringen 1.4 Millionen Klimaaktivisten allein in Deutschland manche Stadt in den Ausnahmezustand. In Berlin versammeln sich mehr als 100.000 Menschen am Brandenburger Tor. In Hamburg sind es 70.000, in Stuttgart werden Straßen blockiert. Düsseldorfs Busse und Bahnen bleiben fünf vor zwölf eine Minute an den Haltestellen stehen und setzen so ein Signal für mehr Klimaschutz. 40.000 Menschen protestieren in München, darunter 388 streikende Unternehmen. Die Polizei verlängert den Demoweg. In Straubing marschieren 600 und in  Passau – man höre und staune – 5000 Menschen durch die Innenstadt. Bischof Stefan Oster ist einer von ihnen. Der JU-Funktionär Stefan Meyer hat allerdings für das Engagement des Bischofs kein Verständnis und nennt seinen Auftritt „ungeheuerlich“. Letztendlich fordern in Regensburg 1500 Radler mehr Radwege, 3000 bilden eine Menschenkette. Und das alles an einem Freitagvormittag, an dem viele arbeiten müssen, die auch gern dabei wären.

In Deggendorf kommen rund 300 Protestler zum Luitpoldplatz – dreimal so viel wie zuletzt. Bunt und friedlich. Sie alle treten für mehr Klimaschutz ein, der wohl jüngste Demonstrant sitzt im Kinderwagen. Die Sonne scheint, die Stimmung ist fröhlich, lautstark werden die bekannten Parolen skandiert. Wie schon bei den letzten beiden Demos, sind auch wir wieder mit dabei. Neben mehreren Rednern rücken Schüler des Comenius-Gymnasiums die Schwedin Greta Thunberg in den Fokus. Die uns vor einem Jahr mit ihrem Pappplakat „Schulstreik für das Klima“ das Stoppschild vor die Nase hielt. Ohne die es diese Bewegung nicht gäbe. Greta segelte im August völlig emissionsfrei zwei Wochen über den Atlantik zum UN Klimagipfel nach New York. Sie wurde von Amnesty International mit dem Menschenrechtspreis ausgezeichnet, sprach im Capitol in Washington und traf Barack Obama. 250.000 Menschen empfingen sie bei der Demo in New York. Mit Klimaleugner Donald Trump zu sprechen, betrachtet die 16-Jährige als Zeitverschwendung.

Gerade wegen des Klimagipfels in New York wurde der 20. September für den globalen Klimastreik gewählt. Und weil an diesem Freitag die Bundesregierung ihr großes Maßnahmenpaket vorlegen will.

Indessen fordert Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gemeinsam mit 31 weiteren Staats- und Regierungschefs mehr Ehrgeiz im Kampf gegen die Klimakrise. Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) hingegen warnt die Schüler im Freistaat, sich weiter an den Protesten zu beteiligen. „Ich sehe überhaupt keine Notwendigkeit“, sagt er dem Radiosender Antenne Bayern. Offensichtlich vertreten die Schüler an diesem Freitag eine andere Meinung. Auch wenn sie mal kritisiert werden. Am beliebtesten: „Die sollen erst mal arbeiten...“ Alles nicht neu. Haben wir diesen Spruch über das „langhaarige Gesindel“ schon in den 68ern bei der Studentenbewegung gehört.

Immerhin: Drei Viertel der Deutschen sorgen sich um die Umwelt. Aber ändern sie deshalb ihr Verhalten? Denn: Kreuzfahrtschiffe verzeichnen Passagierrekorde, in den Urlaub mit dem Billigflieger. Geländelimousinen rollen durch die Stadt, jeder dritte zugelassene Neuwagen ist ein SUV. Und das alles ohne schlechtem Gewissen. Auch tut man sich schwer, den Fleischkonsum zu senken, wohl wissend, Tier und Umwelt zu schaden. „Besorgte Klimasünder“? Photovoltaik ist ausgebremst, der Bau von Winderädern eingebrochen. Weil Bürger klagen. Vor allem in Bayern. Auch wenn Jobs verloren sind. Ablehnung aus Prinzip?

So durfte man an diesem Freitag gespannt sein auf die Maßnahmen zur Einhaltung des Pariser Klimaschutzabkommens. Während vom Klimakabinett der GroKo von einem Durchbruch gesprochen wird, hagelt es Kritik von Opposition und Umweltverbänden. Greenpeace wirft vor allem Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sowie Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) vor, gute Umweltpolitik zu verhindern. Geschäftsführer Martin Kaiser bezeichnet den angepeilten CO²-Preis als lächerlich, auch blieben Eckpunkte und Maßnahmen meilenweit hinter den Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaabkommen zurück.

Demnach dürfte eines sicher sein. Für FfF gibt es weiterhin eine Menge zu tun.