Die unsichtbare Gefahr

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Vermutlich haben die Menschen ihren Unrat schon immer gerne in Flüsse und ins Meer gekippt. Und es wird immer mehr. Über sechs Millionen Tonnen Müll landen nach Schätzungen der Vereinten Nationen jedes Jahr direkt im Meer oder werden durch Flüsse angespült. Aber Müll verschmutzt nicht nur unsere Gewässer, er macht auch deren Bewohner krank.

Schlimm genug. Doch das Problem bekam eine neue, zusätzliche Dimension durch Plastik. 225 Millionen Tonnen werden jährlich von diesem Erdölprodukt hergestellt, für Industrie und Privathaushalte. Weil es billig ist – zu billig. Von diesem Zivilisationsmüll treiben gigantische Mengen in unseren Ozeanen mit verheerenden Folgen. Denn Plastik speichert wie ein Schwamm Chemiegifte wie DDT oder PCB und macht es nicht nur zur Bedrohung für die Umwelt. Tiere ersticken in Six-Pack-Plastikringen, Seevögel, Meeressäuger, Schildkröten und Fische verwechseln es mit vermeintlicher Nahrung. Sie werden verletzt, sie verdursten, verhungern, da Plastik ihre Mägen verstopft.

Zur unsichtbaren Gefahr werden Kunststoffteilchen, weniger als fünf Millimeter groß, oft nur mit dem Mikroskop erkennbar. Genannt „Mikroplastik“ auch „Microbead“. Zum einen stammt es aus entsorgtem Plastikmüll im Meer, der über Jahrzehnte oft Jahrhunderte in kleinste Teile zerfällt. Zum anderen hat die Kosmetikindustrie Kunststoff im Kleinstformat für sich entdeckt. Nicht nur als Schleif- und Scheuerpartikel für Zahncremes und Peelings. Es ist vielfach als Füllstoff und Bindemittel in Duschgels, Seifen und Cremes, in Shampoos, Haarspray und Gel, in der Körperlotion, in Make up, Lidschatten, Lippenstift und lässt Kinderprodukte glitzern und schön bunt aussehen. Über das Abwasser gelangt es dann in Kläranlagen, von dort in Flüsse und Meere, wo es von Muscheln und Fischen aufgenommen wird. Ein ernstzunehmendes Umweltproblem. Denn mittlerweile gelten nicht nur der Gardasee oder die Donau als plastikverseucht, sondern auch weit abgelegene Meeresgebiete wie die Arktis. Dabei könnte Mikroplastik durch in der Natur vorkommende und biologisch abbaubare Stoffe leicht ersetzt werden.

Greenpeace fand in über 550 Kosmetikartikeln Mikroplastik. Überraschend dabei ist, dass Zahnpasta und Kosmetik mit den umweltschädlichen Kügelchen nicht nur bei Discountern als Billigware zu finden sind. Auch bei namhaften Marken bis hin zur teuren Nobelmarke verbergen sich die kleinen Helfer.

So sind wir ALLE – ohne es zu ahnen – mit verantwortlich für ein Desaster. Die schädlichen Folgen von Mikroplastik räumt sogar die Europäische Kommission ein, und das Problem bietet „Anlass zur Sorge“. Derzeit setzt die EU noch auf die Selbstverpflichtung der Kosmetikhersteller. Allerdings kündigt die EU an, geeignete Rechtsvorschriften „in Erwägung zu ziehen“, sollte dieser freiwillige Ansatz bis 2020 keine ausreichenden Ergebnisse bringen.

Wir fordern ein gesetzliches Verbot von Mikroplastik in Kosmetik.

Für Greenpeace reichen diese Selbstverpflichtungen nicht aus. Deshalb beteiligten wir uns an einem bundesweiten Gruppenaktionstag in 60 Städten und informierten vor Rossmann am Beispiel von Drei Wetter Taft – einer Schwarzkopf-Marke der deutschen Firma Henkel – über Mikroplastik in Kosmetik. Gleichzeitig führten wir eine Straßenumfrage zur Weitergabe an Henkel durch. Erst kürzlich enthüllte Greenpeace mit einem Herstellercheck, dass alle deutschen Produzenten weiterhin Kunststoffe einsetzen, sich aber Mikroplastik-frei nennen. Greenpeace nennt das Verbrauchertäuschung. Deshalb konnten Passant*innen auch eine Protestpostkarte an Umweltministerin Hendricks unterschreiben und ein umfassendes gesetzliches Verbot von Plastik in Kosmetik fordern. Bis dahin bleibt uns Verbraucher*innen nur, die Plastikteilchen auf der Inhaltsstoffliste der Kosmetikprodukte selbst aufzustöbern.