Advent, Advent …die Erde brennt

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In Deggendorf fordern bei Dauerregen rund 250 Menschen Klimagerechtigkeit.

All jenen zum Trotz, die glaubten, der Hype um FfF hätte bald ein Ende, zeigten rechtzeitig zur beginnenden UN-Klimakonferenz am 2. Dezember in Madrid rund um den Globus in 157 Ländern Millionen Klimaprotestler eindrucksvoll: Sie sind noch da. Und sie sind sie wütend. Wütend, weil nicht genug zur Bekämpfung der Erderwärmung getan wird.

Klar, wem die Ökos schon immer auf die Nerven gingen, mag weder Greenpeace, noch FfF. Andrerseits macht sich die Mehrheit der Bevölkerung große Sorgen ums Klima. So treibt es allein in Deutschland in 519 Städten die Menschen auf die Straße. Die Kernforderung der deutschen FfF-Bewegung ist die Reduzierung klimaschädlicher Treibhausgase auf Null bis spätestens 2035, der Kohleausstieg solle bis 2030 vollzogen sein. FfF übt aber auch Kritik am exzessiven Fliegen und unserem Ressourcen fressenden Lebensstil.

Ferner bezeichnet FfF das Klimapaket der Bundesregierung als desaströs und ist sich mit Greenpeace sowie weiteren Umweltorganisationen einig: Die verbindlichen Klimaziele werden damit weit verfehlt. Vor allem Energieminister Peter Altmeier wird vorgeworfen, den Kohleausstieg zu verschleppen, auch Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner steht in der Kritik und Andreas Scheuer sowieso. Schwer nachvollziehbar ist, dass ausgerechnet in Bayern Photovoltaik und Windräder zum Erliegen kommen, wo sich doch Ministerpräsident Markus Söder so gern den grünen Anstrich gibt.

Die Wut auf die Politik ist auch in München groß, Zehntausende machen ihrem Ärger Luft. In Berlin erklärt der FfF-Sprecher Maurice Conrad: „Wir sind hier, weil wir das Klimapäckchen  Scheiße finden…“ Ganz so drastisch wurde das in Deggendorf nicht formuliert. Aber auch hier sind die Forderungen auf Transparenten und Schildern deutlich zu lesen. Dass neben BN, LBV und AI auch Greenpeace die Schüler unterstützt, ist Ehrensache. Aber auch „ganz normale Bürger“, denen unser Planet am Herzen liegt, lassen die Schüler nicht im Regen stehen. Und der kam reichlich von oben. Wahrscheinlich kamen deshalb nicht so viele wie im September. Jedoch: Wer heute hier ist, meint es ernst. Es sind die Überzeugten. Die Optimisten. Die Hartgesottenen bekräftigen ohnehin, dass bei Sonnenschein jeder demonstrieren könne. So zogen gut gelaunte Protestler durch die Deggendorfer Innenstadt – mit Trillerpfeifen, trommelnd, laut – und nass! Die bekannten Parolen, beharrlich skandiert, kennt jeder aus dem Effeff.

Als Weckruf für Politik und Verbraucher kann schließlich der Klimabericht der Vereinten Nationen vor wenigen Tagen verstanden werden. Denn: Unsere Treibhausgase sind auf Rekordniveau. 2018 ist der Meeresspiegel auf einen neuen Höchstwert gestiegen. 35 Millionen Menschen waren von Überschwemmungen betroffen. Es gab 1600 Todesfälle aufgrund von Hitzewellen und Waldbränden, aber auch wirtschaftliche Einbußen in Milliardenhöhe. Dabei einigte sich doch die Staatengemeinschaft vor vier Jahren in Paris geradezu euphorisch, die Erderwärmung entscheidend zu begrenzen. Damit sich die schlimmsten Folgen des Klimawandels für Ökosysteme und Menschen abmildern lassen. Eigentlich müsste dafür der Verbrauch von Erdöl, Kohle und Erdgas drastisch gesenkt werden. Eigentlich. Doch das globale Wirtschaftswachstum frisst Energie. Klimaschädliche Energie. Klimaziele? Krachend verfehlt. Auch von Deutschland.

Die Fakten über den Klimawandel sind also bekannt. Wieder mal zur Kenntnis genommen – und das war’s? Denn die Kluft ist groß zwischen dem was wir wissen und dem, was wir tun.

Wenigstens erklärt Ursula von der Leyen den Kampf gegen den Klimawandel schon mal als zentrales Ziel der künftigen EU-Kommission. Kurz darauf ruft das EU-Parlament den „Klimanotstand“ aus. Symbolpolitik? Mag sein. Dennoch steht das Thema oben auf der politischen Agenda.

Es gibt also viel zu tun beim Klimagipfel in Madrid. Auch wenn viele immer noch glauben, all das ginge sie nichts an – FfF machte diesen Freitag Druck. Dabei ist das gar nicht so neu. Schon 1992 bei der UN-Klimakonferenz in Rio de Janeiro brachte die damals 13-jährige Severn Suzuki die Welt zum Schweigen. Sie bat die Delegierten, alles zu tun, damit unsere Erde nicht vor die Hunde geht. 27 Jahre sind seither vergangen. Viel wurde geredet, aber nichts getan. Seit einem Jahr nun zeigen Greta Thunberg und all die Kinder und Jugendlichen dieser Welt, dass endlich gehandelt werden muss. Dass sofort gehandelt werden muss. Dass genug geredet wurde. Greta Thunberg hat eine echte, den Globus umspannende Bewegung ausgelöst, und es sind junge Menschen, die sie tragen. Wir sollten stolz sein auf sie. Wir sollten ihnen zur Seite stehen. Und die hohen Ansprüche, die so manche Kritiker an Greta und die Jugendlichen haben, sollen sie doch gleich mal an sich selber anlegen.